Initiative Sicherheitspartnerschaft - Jihadismus

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Jihadismus

"Jihadismus" als Gewaltideologe – Der Missbrauch des Islam für terroristische Zwecke

Islamistische Terroristen jeder Couleur begründen ihre Gewalttaten damit, dass diese angeblich durch den Islam gerechtfertigt oder als "Befehl Gottes" sogar gefordert seien. Sie rufen zum weltweiten Kampf gegen die vermeintlichen Feinde des Islam auf und rühmen bei Kampfeinsätzen getötete Gewalttäter als "Märtyrer" für die Sache Gottes.

Tatsächlich jedoch verbietet der Islam nach einhelliger Auffassung religiöser Autoritäten sowohl Mord als auch Selbstmord als Verbrechen. Der militärische Kampf zur Verteidigung muslimischen Territoriums ist nur unter eng definierten Bedingungen zulässig und muss von Religionsgelehrten ausdrücklich gebilligt werden. Terroristen wie Usama bin Ladin sind keine Rechtsgelehrten und daher gar nicht befugt, den gewaltsamen "Jihad" auszurufen oder für ihn zu werben. Terrorismus, die Ausübung schwerster Gewalttaten gegen Menschen und Einrichtungen, ist unter keinen Bedingungen mit islamischen Normen vereinbar.

"Jihadistische" Propaganda und die Rechtfertigung terroristischer Anschläge ist unislamisch und missbraucht die Religion für Zwecke der politischen Machtgewinnung. Terroristen missinterpretieren religiöse Begriffe bewusst, um junge Menschen zu indoktrinieren und sie für die Durchsetzung ihrer Ziele zu rekrutieren.

"Jihadismus" als Gewaltideologie

Zahlreiche gewaltorientierte Argumentationsmuster haben sich im Verlauf der konkreten Geschichte terroristischer Organisationen - dokumentiert in Selbsterklärungen, Tatbekennungen und Mobilisierungsaufrufen, Rechtsgutachten oder Videobotschaften, etc. – zu einem ideologischen Katalog verdichtet, so dass von "Jihadismus" als verselbständigter Gewaltideologie zu sprechen ist. Diese Gewaltideologie hat sich von maßgeblichen islamrechtlichen Abwägungsprozessen gelöst und ist – vor allem im Internet – in zahlreichen Übersetzungen frei verfügbar. "Jihadismus" bezeichnet eine vom religiösen Erklärungs- und Begründungsrahmen vollkommen abgelöste pure Gewaltideologie.

Der moderne "Jihadismus": Entgrenzung und Engführung

Diese Gewaltideologie hat sich im Zuge der Entwicklung vor allem von al-Qaida herausgebildet, deren "Jihadismus"-Konzept gegenwärtig vorherrscht. Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:

Die territoriale Entgrenzung des gewaltsamen Kampfes, der als globaler Kampf ohne regionale oder nationale Grenzen definiert wird: Propagandisten des "Jihadismus" vertreten die Auffassung, dass Anschläge gegen den Westen, gegen Einrichtungen westlicher Staaten oder gegen militärische Einsätze westlicher Länder in der islamischen Welt – auch solche der Friedenssicherung – verpflichtend seien.

Nach der terroristischen Logik ist der Kampf gegen den Westen zeitlich unbegrenzt. Jihadisten propagieren einen totalen Krieg gegen die vermeintlichen Feinde des Islam in aller Welt, der erst beendet sein werde, wenn sich die USA und ihre Verbündeten aus allen islamischen Gebieten zurückzögen. Diese Option schließt die Vernichtung Israels mit ein.

Ziel terroristischer Anschläge sind ausdrücklich auch Zivilisten. Gewaltakte gegen Zivilisten werden damit begründet, dass die Werte und Normen der westlichen Demokratien dem Islam widersprächen und angesichts des Prinzips der Volkssouveränität Bürger demokratischer Staaten verantwortlich für die Entscheidungen ihrer Regierungen – etwa über militärische Einsätze in islamischen Ländern – seien. Jihadisten propagieren unter fundamentaler Verletzung der ethischen und rechtlichen Gebote des Islam Gewalt gegen unbeteiligte Menschen jeder Herkunft. Nicht zuletzt viele Muslime zählten und zählen zu den Opfern terroristischer Gewalt.

Terroristen schließen friedliche Wege der Konfliktlösung grundsätzlich aus. Die Aktivitäten terroristischer Organisationen in den letzten Jahrzehnten zeigen, dass sie den Kampf gegen die vermeintlichen Aggressoren - die USA, Israel, alle anderen westlichen Demokratien sowie aus ihrer Sicht „abtrünnige“ islamische Regime - überall und jederzeit für geboten halten. Jede Verteidigungs- und Abwehrmaßnahme der Staaten, die von Anschlägen betroffen oder bedroht sind, ist wiederum neuer Anlass für Terroristen, die Fortdauer der Bedrohung des Islam und der Muslime zu behaupten. Die Ideologen terroristischer Organisationen beobachten die Protestbewegungen, die sich seit Anfang 2011 in der arabischen Welt artikulieren, mit Skepsis. Sie profitieren nicht von friedlichen Umwälzungen, sondern von Bürgerkrieg und Gewalt. Diese Position missachtet das Recht der Menschen in der islamischen Welt, ihren eigenen Weg zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu gehen.

"Baukasten-Jihadismus"

Das Internet stellt eine Unzahl vermeintlich autorisierter Rechtsgutachten, Schriften, Predigtauszüge oder Erläuterungen zur Rechtfertigung des Terrorismus zur Verfügung, die in verschiedene Sprachen übersetzt und adressatenfreundlich aufbereitet sind. Als Folge ist die Entwicklung zu einem „copy and paste“-“Jihadismus“ zu beobachten: Personen ohne oder mit nur geringen Arabischkenntnissen und ohne gefestigte religiöse Vorbildung können auf diese Weise leicht in die Gedankenwelt des Terrorismus eingeführt werden. Eine allgemeine Gewaltbereitschaft, ungezielte Aggressionen, individuelle Frustgefühle oder psychische Traumata können auf diese Weise für terroristische Rekrutierungsaktivitäten gezielt genutzt werden. Jihadistische Propagandisten kalkulieren diese Potenziale sehr genau für ihre Zwecke ein.

Eigene "Märtyer-Geschichte"

Islamistische terroristische Organisationen verfügen mittlerweile über eine jahrzehntelange Gewaltgeschichte. Dementsprechend haben sie eine jihadistisch heroische Legende entwickelt, in der „Märtyer“ der Bewegung oder Führer terroristischer Organisationen verehrt und als Vorbilder präsentiert werden, denen es nachzueifern gilt. Junge Menschen, die sich auf der Suche nach Sinn, Ordnung und Ziel ihres Lebens befinden, konvertieren auf diese Weise nicht – wie ihnen eingeredet wird - zum wahren Islam, sondern zum Terrorismus. „Märtyrer“ rühmen sich in nach ihrem Tod veröffentlichten „Autobiographien“ oder Videobotschaften ihrer vermeintlich gottgefälligen Gewalttaten oder werden in Internetforen als Helden gefeiert. In sozialen Netzwerken gebildete virtuelle Gemeinschaften tragen dazu bei, ihre Mitglieder auf diesem Irrweg zu bestärken, sie weiter in die Abschottung von ihrer Familie und ihren Freunden zu treiben und damit den Weg in die Gewalt zu unterstützen. Salafistische Netzwerke, die sich als abgeschottete Subkulturen ausprägen und die vermeintlich richtige Islaminterpretation vertreten, bereiten den weltanschaulichen Boden und die sozialen Rahmenbedingungen für solche Radikalisierungskarrieren. Ihre Zahl in Deutschland wächst. Zwar lehnen Salafisten den Einsatz von Gewalt verbal ab, zugleich ist aber festzustellen, dass fast alle Personen mit Deutschlandbezug, die sich dem globalen gewaltsamen Kampf angeschlossen haben, zuvor mit Trägern salafistischer Bestrebungen in Kontakt standen oder aus salafistischen Milieus hervorgingen.

Friedliches Zusammenleben statt Terrorismus und Ausgrenzung

Mit ihren Gewalttaten diskreditieren Terroristen friedliche und rechtstreue Bürgerinnen und Bürger muslimischen Glaubens in Deutschland, die ihr verfassungsgemäßes Recht auf freie Religionsausübung im Alltag leben oder sich hier – wie in anderen demokratischen Ländern – um politische und gesellschaftliche Anerkennung ihrer Religion im Rahmen eines zivilgesellschaftlichen Engagements bemühen. Als demokratischer Rechtsstaat tritt Deutschland für das zentrale Anliegen eines friedlichen Zusammenlebens aller Menschen ungeachtet ihrer Herkunft oder Religion ein.

"Jihadismus" und Terrorismus diskreditieren den Islam. Sie sind Theorie und Praxis einer reinen Gewaltstrategie, die eine Religion für ihre Zwecke missbraucht und junge Menschen für Mord und Selbstmord rekrutiert. Terrorismus und terroristische Ideologie werden mit allen rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft. Die eindeutige Ächtung des Terrorismus durch Muslime und Nichtmuslime trägt zudem dazu bei, die Ausbreitung von Islamfeindlichkeit zu verhindern.

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